HWN 044 – Kapitelsberg Tanne

Nordöstlich von Tanne (Oberharz am Brocken) im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) erhebt sich der Kapitelsberg auf 535,7 m ü. NN über dem Tal der Warmen Bode. Gelegen im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt begeistert der Berg Wanderer wie Naturliebhaber mit einer urigen Hütte samt Feuerstelle und Picknickplatz sowie einer weiten Aussicht auf den Unterharz, Tanne und die Warme Bode.

Kapitelsberg Hütte Harzer Wandernadel Nr. 44

Der Aussichtspunkt (528 m ü. NN) liegt auf der Westflanke des Kapitelsberg auf und ist mit einem weithin sichtbaren Kreuz sowie einer Richtungsuhr versehen. Jene Uhr weist selbst bei schlechtem Wetter die Richtung zum Brocken, Wurmberg, Achtermannshöhe oder Hohnekamm. Verzeichnet sind außerdem zahlreiche Orte wie Sorge, Hohegeiß, St. Andreasberg, Blankenburg oder gar der Hexentanzplatz in Thale sowie natürlich die vier Himmelsrichtungen.

Kapitelsberg: Richtungsuhr gibt Richtung vor

Neben der Richtungsuhr steht ein Holzkreuz, dessen metallene Beschichtung selbst von der Bodetalstraße (L98) zu sehen ist und – bei passenden Sonnenstand – das Licht der Sonne weithin widerspiegelt. An der Hütte finden Wanderer außerdem einen Stempelkasten der Harzer Wandernadel, genauer die Nr. 44.

Koordinaten Kapitelsberg: 51° 42′ 18″ N, 10° 45′ 5″ O

Am einfachsten ist der Kapitelsberg direkt von Tanne zu erreichen. Am Ortsausgang Richtung Königshütte (Bodetalstraße L98) führt ein ausgeschilderter Wanderweg in wenigen Minuten auf den Berg. Der Weg misst ab Ortsausgang nur einen Kilometer und führt die letzten Meter leicht bergan. Achtung: Die offizielle Wanderkarte der Harzer Wandernadel ist etwas verwirrend und nennt die Anhöhe Silberkulk. Die Wegbeschreibungen vor Ort lauten hingegen Kapitelsberg.

Tanne: Eng verbunden mit Bergbau und Hütte

Wobei der Silberkulk durchaus eine Bewandtnis hat. Wie viele Orte im Harz ist Tanne eng mit dem Bergbau verbunden. Die frühere Tanner Hütte gilt sogar als eine der ältesten im gesamten Harz und wurde von 1355 bis 1964 betrieben. Geschürft wurde Silber, das am hiesigen Thüringer Weg gefunden wurde. Daher stammt der Name Silberkulk, mit welchem die Flur rund um den Kapitelsberg bezeichnet wurde.

Außerdem wurde in Tanne seit dem 13. Jahrhundert Kupfer verhüttet, das ebenfalls direkt vor Ort am Silberkulk abgebaut wurde. Als „Silverkolch“ wurde dieser erstmals 1226 erwähnt. Die Hütte taucht 1262 als „casam, que in vulgari appelatur sylverkolch“ im Güterverzeichnis der Regensteiner Grafen auf, 1355 nur noch als „Hütte tor Dannen“. 1528 erfolgte die Schließung und Umwandlung in eine Sägemühle.

Kapitelsberg Richtungsuhr Harzer Wandernadel Nr. 44

Auch die Tanner Silberhütte gehörte den Grafen von Regenstein und war samt dem Dorf ein Lehen des Halberstädter Bischofs Albrecht II. Zu der Zeit war die Hütte wohl schon 20 Jahre in Betrieb, wird als deren Gründungsjahr doch 1335 genannt. Nach den Regensteinern folgten als Besitzer der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel und 1867 schließlich das Kölner Bankhaus Eltzbacher & Co. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es – wieder unter neuem Besitzer – noch eine Weile weiter, bevor die Hütte 1950 in DDR Volkseigentum (VEB) überging. Kurz darauf ging die Hütte 1952 mit der Gießerei Königshütte zusammen, bis 1966 der Tanner Betrieb stillgelegt wurde.

Der Thüringer Weg am Silberkulk

Die Hütten bezogen ihre Erz natürlich aus den Gruben vor Ort, wurde das begehrte Erz doch bereits seit dem 13. Jahrhundert aus dem Tanner Boden geholt. Als bekanntester Stollen gilt die Zeche Gertrud am Giepenbach Richtung Trautenstein. Der Stollen wurde erst 1925 geschlossen.

Der bereits erwähnte Thüringer Weg führte übrigens ab Blankenburg an der Pfalz Bodfeld und dem Silberkulk vorbei bis nach Sülzhayn und Ellrich am Südharz. 1226 wurde der Weg erstmals als „Doringsvordewegh“ erwähnt, 1427 als „de olde rechte Wegh“. Tatsächlich dürfte der Weg schon im 10 Jahrhundert bestanden haben. 1226 fand der Silberkulk sogar in einem Mordfall Erwähnung, als Bertoldus de Othstede (Bertoldus von Othstedt) – ein Sohn des Reichsministerialen Gerung – hier von Wegelagerern erschlagen wurde.

Wandern zur Stempelstelle Kapitelsberg Tanne

Im Osten des Kapitelsbergs führt übrigens „Die Lange“ vorbei, ein Teilstück des Harzrundweges (Benneckenstein Rübeland). Es bieten sich Ihnen also auch längere Wandertouren zur Stempelstelle Nr. 44 am früheren Silberkulk an.

  • Benneckenstein (6,0 km)
  • Hasselfelde/Wanderparkplatz Hagenmühle (9,3 km)
  • Königshütte/Parkplatz Ortsausgang Tanne (5,5 km)
  • Rübeland (12,1 km)
  • Tanne/Ortsausgang Königshütte (1,0 km)
  • Trautenstein (5,1 km)
  • Sorge (4,1 km)

Kapitelsberg Harzer Wandernadel Nr. 44 Stempelkasten

Nahe Stempelstellen ab dem Kapitelsberg

  • HWN #040 Königshütter Wasserfall (7,2 km)
  • HWN #041 Königsburg (5,8 km)
  • HWN #042 Trogfurter Brücke (7,4 km)
  • HWN #046 Grenzmuseum/Ring d. Erinnerung (6,3 km)
  • HWN #047 Drei-Länder-Stein (9,9 km)
  • HWN #048 Stierbergsteich (10,7 km)
  • HWN #049 Grüntal (4,5 km)
  • HWN #050 Walzenhütte (7,5 km)
  • HWN #051 Carlsturm (9,2 km)
  • HWN #052 Trageburg (6,4 km)
  • HWN #053 Hasselvorsperre (8,2 km)
  • HWN #056 Rappbodeblick/Präzeptorklippe (11,6 km)
  • HWN #097 Ziegenalm (11,2 km)
  • HWN #206 Hahnestein (10,0 km)

Weitere Wanderziele ab dem Kapitelsberg

  • Große Rabenklippe (7,9 km)
  • Hasselvorsperre (8,2 km)
  • Kleine Rabenklippe (7,2 km)
  • Mandelholz-Stausee (6,3 km)
  • Rappbode-Vorsperre (13,0 km)

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