Friederike zerstört Wasserkunst Thumkuhlental

Schäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro, etliche Todesopfer: Friederike zeigte am 18. Januar 2018 mal wieder die geballte Macht von Mutter Natur. Ebenfalls böse beschädigt: die Wasserkunst Thumkuhlental.

REPORT: Friederike zerstört Wasserkunst Thumkuhlental

Harz und Bergbau, das passt zusammen wie die berühmte Faust auf’s Auge. Warum? Weil der Bergbau den Harz einst reich machte. Zeugnisse davon gibt es bis heute. Und zwar verdammt viele. Zum Beispiel das Oberharzer Wasserregal. Oder etliche alte Talsperren wie der Oderteich. Von zahlreichen Gruben (Bergwerken) mal ganz zu schweigen. Selbst viele Orte entstanden allein wegen dem Bergbau.

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  • Herausgeber: Müller, Michael
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  • Taschenbuch: 264 Seiten

Die heute so typischen Fichten: ein Produkt des Harzer Bergbaus. Weil die „Kumpel“ und Eisenhütten ständig nach Holz gierten. Zum Bau von Häusern und Hütten. Zum Abstützen und Sichern der Stollen. Als Brennmaterial zum Schmelzen des Eisens. Abgeholzte Wälder forstete man daher mit Fichten neu auf. Weil Fichten schnell wachsen, somit auch schnell „erntereif“ sind.

Wasserkunst Thumkuhlental: Zeugnis des Bergbaus

Der Harz galt jedenfalls damals als eines der wichtigsten Erzreviere in den deutschen Landen. Eisen, Blei und Kupfer wurden geschürft. Außerdem Silber. Kein Witz: 40 bis 50 Prozent des zwischen dem 16. und 19. Jahrhunderts geförderten Silbers stammten aus dem (Ober)Harz. Wobei das Schürfen von Silber und Co. nicht einfach war. Schon gar nicht damals. Ohne Technik. Doch unter den Bergleuten gab es verdammt kluge Köpfe. Gott sei Dank. Denn wegen zahlreicher Probleme (und eben damals mangelnder Technik) kam der Bergbau ab einer gewissen Tiefe zum Erliegen.

Weil zum Beispiel Wasser in die Gruben eindrang und mitunter sogar komplett flutete. Ebenfalls ein Problem war die Beförderung des geschürften Erzes. Oder die der Bergleute selbst. Also setzte man auf Wasser. Konkret auf Wasserkünste. Darunter verstand der mittelalterliche Bergbau große Wasserräder zur Erzeugung von Energie. Mit dieser wurden dann Pumpen oder „Fahrkünste“ – quasi Fahrstühle – betrieben. Unheimlich clever, zumindest nach meinem Gefühl. Was das alles nun mit diesem Blogbeitrag zu tun hat? Und mit Friederike? Das will ich euch ja erklären.

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Denn eine solche Wasserkunst steht im Thumkuhlental nahe Wernigerode (Hasserode). Leider hatte Friederike für Geschichte nicht viel übrig. Die Wasserkunst Thumkuhlental ist arg beschädigt. Das im Durchmesser vier Meter große Rad ist böse ramponiert, ein Betrieb daher nicht mehr möglich. Betrieb? Genau. Denn bis heute pumpte die Wasserkunst Thumkuhlental Wasser aus der Grube. Zugegeben: diese ist längst stillgelegt. Doch als Beweis der hellen Köpfe von damals ist (war) die Wasserkunst ein geradezu fantastisches Beispiel. Apropos Pumpe: Teilweise ist auch das Gestänge (Pleuel) zu deren Antrieb entzwei. Ebenso wie die letzten Meter des Zulaufs. Wobei dieser wohl noch leicht, sprich billig, zu reparieren wäre.

Wasserkunst Thumkuhlental und Friederike

Eben das ist mal wieder der Knackpunkt. Die Reparatur kostet Geld. Hinter der Wasserkunst steckt – wenn ich nicht irre – ein Verein, der dieses Geld leider nicht hat. In der Volksstimme gab es die Tage sogar einen Bericht über die Zerstörung der Wasserkunst Thumkuhlental. Leider hab’ ich Depp den Artikel nicht aufgehoben. Dafür war ich die Tage mal selbst vor Ort. Schaut euch einfach das Video an, das sagt wohl alles…

Hoffnung bietet übrigens die Geschichte. Denn das Wasserrad ist nicht das erste Mal einem Unwetter zum Opfer gefallen. Im Sommer 1795 zerstörte ein Hochwasser die Anlage. Einen Neubau gab es erst Ende der 1990er durch ABM-Kräfte – quasi zu Schauzwecken. Durch Wasserkraft dreht sich das Wasserrad sechs bis 14 Mal die Minute. Das entspricht immerhin einem PS. Die Energie treibt schließlich eine Pumpe an, die Sickerwasser aus der Grube abpumpt. Bis zur erneuten Zerstörung im Januar.

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Ich hoffe, dass die Wasserkunst Thumkuhlental tatsächlich repariert wird. Ich jedenfalls bin immer wieder beeindruckt, wie sich die Ingenieure damals mit wirklich einfachsten Mitteln zu helfen wussten. Somit wieder die Wirtschaft ankurbelten und Arbeitsplätze schufen oder erhielten. Die Themen waren zu der Zeit nicht weniger wichtig als heute. Eher sogar wichtiger. Arbeitslosengeld? Sozialhilfe? Krankenkasse? All das gab es damals nicht. Ohne Arbeit also kein Geld, keine Wohnung, kein Essen, kein Arzt. Trotzdem: Bei dem Begriff „finsteres Mittelalter“ muss ich immer lächeln. Weil ich dann einfach an unseren Harzer Bergbau denke.

Mehr Infos zur Wasserkunst Thumkuhlental erhaltet ihr übrigens hier unter Stempelstelle 85. Apropos: Die Stempelstelle steht noch, ist also nicht beschädigt. Nur zur Info für alle Stempeljäger.

Wasserkunst Thumkuhlental: 5.000 Euro Schaden

PS: Kaum hatte ich den Artikel fertig, gab es gestern in der Volksstimme eine neue Info zur Wasserkunst Thumkuhlental. Hinter der Wasserkunst steckt der Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein. Dessen gute Nachricht: Die Wasserkunst erlitt keinen Totalschaden, wie auch auf meinen Bildern und Video zu sehen. Die schlechte Nachricht: Die Reparatur kostet rund 5.000 Euro. Wenn ihr helfen wollt, könnt ihr gern ein paar Euro spenden. Und zwar an das Spendenkonto

Wernigeröder
Geschichts- und Heimatverein

IBAN:
DE32 8105 2000 0300 0792 90

Verwendungszweck:
WASSERKUNST

Laut Volksstimme erhalten Geldgeber auch eine Spendenquittung. Ihr könnt eure gute Tat also von der Steuer absetzen ;-) Da ich mich echt freuen würde, wenn die Wasserkunst wieder läuft, überweise ich die Tage einen Zehner. Der tut mir nicht weh. Und wenn sich nur 500 Leute finden, die jeweils zehn Euro spenden, ist die Reparatur quasi fix. Selbst fünf Euro wären eine Hilfe. Denn wie sagt man so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein…

In dem Sinne: Danke für’s lesen. Und viel Spaß beim wandern

Euer
HarzerWanderGuiDE

Update Mai 2018: Wasserkunst Thumkuhlental in Reparatur

Nachdem schon vor einiger Zeit Tim nach dem Stand der Dinge fragte, war ich die Tage mal kurz im Thumkuhletal. Und Überraschung: Der Verein ist schon fleissig am werken. Das Rad selbst scheint wieder intakt. Was noch fehlt, sind die Querspeichen, die quasi das Wasser auffangen. Ich habe leider keine Ahnung, wie der korrekte Fachbegriff ist. Sorry. Außerdem sind noch das Gestänge (zur Pumpe) und die Wasserzufuhr zu reparieren. Das sollte es dann aber gewesen sein. Ich hoffe jedenfalls, dass die Wasserkunst bald wieder arbeitet. An alle Spender ein Dankeschön.

Reparatur der Wasserkunst Thumkuhlental nach Sturm Friederike 2018

PS: Ich habe übrigens wie versprochen zehn Euro gespendet. Das soll keine Angeberei sein, sondern nur eine Info. Schließlich hatte ich meine Spende ja angekündet. Ich freu‘ mich, dass meine kleine Spende geholfen hat.

Update Juli 2018: Die Reparatur schreitet voran

Die Reparatur der Wasserkunst Thumkuhlental schreitet voran. Nachdem zuletzt schon wieder das Wasserrad hergerichtet war, sind nun die Speichen repariert. Dank einem neuen Anstrich sind zudem die reparierten Stellen kaum noch zu erkennen. Was noch fehlt, ist ein neuer Zulauf und die (Wieder)Anbindung an das Gestänge. Das Wasserrrad dürfte daher wohl bald wieder die Pumpe für die nahe Grube antreiben. Mehr im Video…

Apropos: Seid nicht böse, das Video ist bereits im Juli entstanden. Also über vier Wochen alt. Ich bin leider zeitlich nicht dazu gekommen, das Video früher ins Netz zu stellen.

Update Oktober 2018: Die Wasserkunst läuft wieder…

Gute Nachrichten: Die Reparatur scheint (fast) abgeschlossen, die Wasserkunst läuft wieder. Für mich als Laie sieht zwar die Verbindung zwischen Wasserrad und Gestänge noch etwas provisorisch aus, aber die „Schönheitskorrekturen“ kommen sicher noch. Egal, die Wasserkunst ist wieder heil, die Stempelstelle wieder einen Besuch wert. Danke an den Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein für die tolle Arbeit und natürlich alle, die mit einer kleinen Spende die Reparatur unterstützt haben.

2 Antworten auf Friederike zerstört Wasserkunst Thumkuhlental

  • Gibt es schon einen aktuelleren Stand, ob die Wasserkunst wieder funktioniert?

    • Hallo Tim,

      leider nicht. Aber ich werde die Tage mal schauen und dann ein Update machen. Denke aber, dass da noch nicht allzu viel passiert ist…

      LG Dennis (HWG)

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