Harzer Teufelsmauer(Stieg) [Harz-Tipp des Monats]

Okay, ich hab’s böse schleifen lassen. Ganz großes SORRY. Heute gibt es aber endlich einen neuen Harz-Tipp für euch. Die Harzer Teufelsmauer. Wegen den tollen Felsen. Der tollen Natur. Dem urigen Teufelsmauerstieg.

Harzer Teufelsmauerstieg - Auf des Teufels Spuren

Was hab’ ich überlegt… Leider sind meine Harz-Tipps meist nicht ganz unbekannt. Vor allem für die „Kenner“ hier. Außerdem sind meine Harz-Tipps oft die Stempelstellen der Harzer Wandernadel. Kennt ihr alle. Mehr oder weniger. Gut, auch meinen Harz-Tipp des Monats Mai 2018 kennen wohl die meisten von euch. Die Harzer Teufelsmauer. Oder eigentlich doch eher der Harzer Teufelsmauer-Stieg. Denn es geht mir heute nicht nur um einen Ort. Sondern um eine ganze „Ecke“ bzw. Gegend.

Teufelsmauer: Großvater, Papensteine, Gegensteine

Schließlich zieht sich die Harzer Teufelsmauer von Blankenburg bis nach Ballenstedt. Knappe 30 km pure Natur. Mit ein bissel von allem. Ein bissel von allem? Jup. Der Kammweg ab Großvater gen Hamburger Wappen ist die reinste Abenteuertour. Da geht’s quasi auf Messers Schneide entlang. Dazu gibt es skurrile Formationen wie den Teufelssessel. Danach: Heidelbergwarte, Gewittergrotte, Fuchsbau. Ab hier geht es bequem weiter. Bis der Aufstieg zum Hamburger Wappen kommt. Das entlohnt euch dafür mit seiner Pracht. Apropos: Der „echte“ Name des Hamburger Wappens lautet eigentlich „Drei Zinnen“. Da aber (mit etwas Fantasie) diese drei Zinnen an das Wappen der berühmten Hansestadt erinnern, ist Hamburger Wappen längst geläufiger.

Harzer Teufelsmauer Großvater

Danach geht es durch das kleine Örtchen Timmenrode Richtung Warnstedt. Dort wartet das nächste Highlight der Harzer Teufelsmauer: die Papensteine. „Nebenan“ außerdem die Teufelsmühle. Eine der wenigen Harzer Windmühlen. Weiter führt euch der Teufelsmauerstieg zu den Mittelsteinen sowie dem Königstein zwischen Weddersleben und Neinstedt. Letzterer ragt steil in die Höhe. Mit Fantasie erkennt ihr von der Seite vielleicht einen gekrönten Kopf. Den Kopf eines Königs. Tatsächlich leitet sich der Name des Königsteins aber von „Kehnstein“ (= Verkündungsstein) ab. Apropos: Auch die Felsen des Königstein haben Eigennamen. Und zwar Teufel (auch Westturm), Adlerfelsen (auch Mönch), Großmutter oder Lange Wand. Gesäumt ist dieser Teil zudem von Kirschbäumen. Zur Kirschblüte im Frühling oder im Sommer findet ihr hier richtig tolle Fotomotive.

Königstein & Co: Die Highlights der Teufelsmauer

Wandert ihr den Teufelsmauer-Stieg durch Neinstedt nach Bad Suderode und Gernrode weiter, folgt als nächstes Highlight der Dicke Stein bei Rieder. Schließlich erreicht ihr die Gegensteine bei Ballenstedt. Beziehungsweise: den Kleinen Gegenstein und den Großen Gegenstein. Die Tour auf dem Teufelsmauerstieg könnte nach knapp 30 km kaum besser enden. Denn der Große Gegenstein ist begehbar und bietet euch einen fantastischen Blick auf den Brocken. Wenn es das Wetter zulässt…

Im Fazit haben jedenfalls viele Felsen der Harzer Teufelsmauer auf dem Teufelsmauerstieg Eigennamen. Für die Unkundigen daher noch mal die Highlights des Teufelsmauer-Stiegs von Ost (Blankenburg) nach West (Ballenstedt):

  • Großvater (Blankenburg),
  • Hamburger Wappen (Timmenrode),
  • Papensteine (Warnstedt),
  • Mittelsteine (Weddersleben),
  • Königstein (Weddersleben, Neinstedt)
  • Dicker Stein (Rieder),
  • Gegensteine (Ballenstedt).

Teufelsmauer Hamburger Wappen / Drei Zinnen

Wie gesagt: Auch diese Teilstücke können noch mal Eigennamen haben. Ich sage nur Königstein. Zwischen diesen Felsen gibt es nämlich noch zig weitere. Allein der Blankenburger Kammweg auf dem Heidelberg wartet mit Löbbecke-Felsen, Brockenblick, Hohe Sonne, Schweinekopf, Teufelssessel oder Turnerfelsen auf. Leider sind nicht alle ausgeschildert und daher von Ortsunkundigen schnell übersehen. Einen weiteren Schweinskopf gibt es an der Wedderslebener Teufelsmauer, konkret an den Mittelsteinen. Nicht weit von diesem grinst euch aus dem Fels sogar eine Teufelsfratze an. Uuuhhh…

Teufelsmauerstieg: Gute Naturwege, wenige Höhen

Kleines Aber: Das gesamte Gebiet steht unter Naturschutz. Die Teufelsmauer bei Weddersleben sogar schon seit 1833. Gott sei Dank. Denn bis dahin diente die urige Teufelsmauer schnöde als Steinbruch. Das heute überhaupt noch einige Felsen stehen, verdanken wir also dem Naturschutz. Zumal euch der Teufelsmauerstieg (trotz Wegegebot) an vielen Stellen fantastische Ausblicke in das Harzer Um- und Vorland erlaubt. Vom Königstein bei Weddersleben oder dem Großen Gegenstein bei Ballenstedt könnt ihr wie gesagt sogar den Brocken sehen. Wenn das mitunter etwas störrische Harzer Wetter mitspielt.

Der Teufelsmauerstieg ist übrigens bestens ausgezeichnet. Einzig in den Ortschaften müsst ihr ein bissel acht geben. Denn zum einen geht der Teufelsmauerstieg durch Timmenrode hindurch. Zweitens noch mal durch Neinstedt. Das sollte aber kein Problem sein. Und natürlich findet ihr spezielle Karten extra für den Teufelsmauer-Stieg. Ob diese nötig sind, müsst ihr selbst entscheiden.

Harzer Teufelsmauerstieg Kammweg

Bis auf dem Blankenburger Kammweg – zu Ehren des damaligen Bürgermeisters und „Erbauers“ auch Löbbecke-Stieg genannt -, wandert ihr übrigens auf ruhigen Naturwegen. Der Kammweg erfordert dagegen Trittsicherheit, gute Wanderschuhe und vor allem Zeit. Später folgt wie gesagt noch mal ein Anstieg zum Hamburger Wappen. Ab hier geht es dann aber wirklich locker weiter. Ab und an mal ein paar Meter rauf, dann wieder runter. Aber eben locker. Um auch mal ein paar Zahlen zu nennen: Das Höhenprofil des Teufelsmauerstiegs reicht von 134 bis 297 Meter. Verteilt wie gesagt auf knapp 30 km. Konkret sind es sogar nur rund 27 km. Eine gute Tagestour also :-)

Harzer Teufelsmauerstieg: drei Stempelstellen

Ein paar Stempel der Harzer Wandernadel könnt ihr dem Harzer Teufelsmauerstieg ebenfalls ergattern. Und zwar diese drei…

Für meinen Geschmack hätte die Teufelsmauer sogar mehr Stempelstellen verdient. Warum zum Beispiel der Große Gegenstein bei Ballenstedt als Ende (bzw. Anfang) des Teufelsmauerstiegs keinen Stempel hat, ist mir unbegreiflich. Hier hätte die Harzer Wandernadel 2016 im Zuge ihres 10-jährigen Jubiläums cleverer sein können (müssen). Schließlich tauschte man damals etliche Stempelstellen aus. Warum wurde dabei die Teufelsmauer missachtet? Wenn ich da an so manche fade Stempelstelle wie die Walzenhütte denke. Eine Schutzhütte ohne jede Geschichte. Der Teufelsmauerstieg hätte diese Stempelstelle tausend Mal mehr verdient. Aber vielleicht ändert sich 2026 etwas? Dann feiert die HWN ihr 20-jähriges. Eventuell überdenken die Macher dann wieder den einen oder anderen Stempel. Vielleicht sogar schon zum 15-jährigen 2021. Wer weiß…

Teufelsmauer Weddersleben Königstein

Im Fazit ist der erst 2009 angelegte Teufelsmauerstieg jedenfalls gut zu wandern. Herrliche Naturwege, die von Sonne bis Schatten alles bieten. Viele Strecken sind ruhig, die „Hotspots“ wie Großvater, Hamburger Wappen oder Königstein (Weddersleben) dagegen in der Regel (sehr) gut besucht. Dennoch: Eure Augen und Herzen erfreuen skurrile Felsen und schöne Ausblicke. Viele Teilabschnitte wie Kammweg, Hamburger Wappen, Gegensteine oder Königstein sind zudem als Rundwanderweg zu gehen. Somit als kleinere Tour. Klettern ist übrigens in der Regel zum Schutz der Teufelsmauer verboten. Habt bitte im Kopf: Der Teufelsmauer-Stieg ist Naturschutzgebiet. Weil hier diverse seltene Pflanzen wie Feldenzian oder Behaarte Ginster wachsen.

Harzer Teufelsmauer: Entstehung und Goethe

Zuletzt noch ein paar Wort zur Entstehung der Teufelsmauer. Rein geologisch besteht diese aus Sandstein. Dieser „entwickelte“ sich in verschiedenen Epochen der oberen Kreidezeit. Also so vor 100 bis 66 Millionen Jahren. Durch „Verkieselung“ wurde dieser Sandstein extrem verhärtet. Allerdings waren von dieser Verhärtung nur ein paar Meter der damals horizontal liegenden Schichten betroffen. Als sich der Harz dann heraushob, stellten sich diese Schichten auf und überkippten sogar teilweise. Das was also damals oben lag, ist nun unten. Anschließend trugen Witterung und Co. das weiche Gestein ab. So entstanden die heute mitunter so skurrilen Klippen wie der Königstein.

Die Lücken zwischen der Teufelsmauer sind wieder Flüssen und vor allem der Eiszeit zu verdanken. Diese zer id=““störten schlicht einige Teile der Felsrippe, weswegen diese heute quasi „zerhackt“ zu Tage tritt. Sprich: Mal seht ihr Fels, dann lange nichts. Bis wieder der nächste Fels aus der Erde ragt. Wobei die einzelnen Abschnitte auch nicht alle gleichen Alters sind. Wenn ihr auf dem Teufelsmauerstieg wandert, erfahrt ihr also (ohne Wissen) gleich mehrere Epochen.

Teufelsmauerstieg Großer Gegenstein

Außerdem wandelt ihr auf dem Teufelsmauer-Stieg (oder einem von dessen Teilstücken) in berühmten Fußstapfen. Denn auch ein gewisser Johann Wolfgang von Goethe weilte anno 1784 an diesen wunderschönen Klippen – zu geologischen Studien. Goethe war nämlich nicht nur Dichter, sondern außerdem ein versierter Naturforscher. Der HWN Stempel 188 (Teufelsmauer Weddersleben) zählt daher auch für das Abzeichen Goethe im Harz. Also aufgepasst beim stempeln.

Die Sage von der Harzer Teufelsmauer 1.0

Schöner klingt übrigens die Sage der Harzer Teufelsmauer. Wobei es von dieser gleich zwei Versionen gibt. Allerdings sind diese recht ähnlich…

„Gott und Teufel streiten sich um die Erde. Bis sie sich schließlich auf einen Deal einigen. Der liebe Gott sollte das Flachland mit den fruchtbaren Böden bekommen. Der Beelzebub dagegen den Harz mit seinem reichen Erzvorkommen. Allerdings nur, wenn dieser bis zum ersten Hahnenschrei im Morgen eine Mauer um das Mittelgebirge baut. Der Teufel legte prompt los und war auch fast fertig. Dummerweise funkte dem Derwisch eine Bauersfrau aus Cattenstedt dazwischen. Diese war frühmorgens auf den Weg nach Blankenburg, um auf dem Markt einen Hahn zu verkaufen. Und ausgerechnet, als der Gehörnte den letzten Stein in die Teufelsmauer setzen wollte, krähte dieser Hahn plötzlich los. Der erste Hahnenschrei des neuen Tages. Damit hatte der Teufel verloren. Wütend zertrümmerte der Fürst der Unterwelt die Mauer, deren Reste die heutige Teufelsmauer bilden.“

Teufelsmauerstieg Aussicht Kammweg

Die Sage von der Harzer Teufelsmauer 2.0

Die zweite Version der Sage zeigt wie gesagt nur in Details kleine Unterschiede…

„Gott und Teufel stritten vor langer langer Zeit um die Weltherrschaft. Die Idee: Gütertrennung. Das Ganze würzten Gott und Teufel mit einer Wette. Alles Land, was der Derwisch über Nacht mit einer Mauer umfrieden konnte, sollte ihm gehören. Der Beelzebub legte los, die Mauer wuchs und wuchs. Doch auch so manche Menschen machten sich schon vor dem Morgengrauen an ihr Tagwerk. So zum Beispiel einer Bauersfrau aus Timmenrode. Diese wollte auf dem Markt in Blankenburg einen Hahn verkaufen, den sie in einen Korb steckte. Unterwegs stolperte die gute Frau jedoch – böse Zungen meinen, der liebe Herrgott legte ihr mit böser Absicht Steine in den Weg – , worauf der Hahn erschrocken loskrähte. Der Teufel dachte nun, die Nacht sei zu Ende und er hätte die Wette verloren. Also zerschlug er voller Wut die fast fertige Mauer. Diese Bruchstücke säumen heute den Teufelsmauer-Stieg.“

Lesern aus Niederbayern – speziell aus dem Gebiet der Donau – mag die Sage bekannt vorkommen. Denn ähnliche Geschichten mit Wette und Hahn gibt es auch in eurer Gegend.

Teufelsmauer bei den Brüdern Grimm

Die Brüder Grimm schrieben ebenfalls über die Harzer Teufelsmauer. Und zwar so:

„Auf dem nördlichen Harze, zwischen Blankenburg und Quedlinburg, siehet man südwärts vom Dorfe Thale eine Felsenfläche, die das Volk: des Teufels Tanzplatz nennt und nicht weit davon Trümmer einer alten Mauer, denen gegenüber nordwärts vom Dorfe sich ein großes Felsenriff erhebt. Jene Trümmer und dieses Riff nennt das Volk: Teufelsmauer. Der Teufel stritt lange mit dem lieben Gott um die Herrschaft der Erde.

(eigentlich: Der Teufel baute sie, um sich mit Gott die Welt zu theilen. Da ihm aber dazu eine bestimmte Zeit anberaumt worden war, und die ganze Mauer innerhalb der Frist nicht fertig wurde, so warf der Böse aus Zorn, am Nichts gearbeitet zu haben, einen großen Theil des Werkes wieder um, so daß nur hin und wieder einzelne Stücke stehen blieben.)

Endlich wurde eine Teilung des damals bewohnten Landes verabredet. Die Felsen, wo jetzt der Tanzplatz ist, sollten die Grenze scheiden und der Teufel erbaute unter lautem Jubeltanz seine Mauer. Aber bald erhub der Nimmersatte neuen Zank, der damit endigte, daß ihm noch das am Fuß jenes Felsens belegene Tal zugegeben wurde. Darauf türmte es noch eine zweite Teufelsmauer.“

Mit diesen literarisch fabulösen Worten beende ich diesen Artikel. Ich kann euch allen nur raten: besucht die Teufelsmauer. Wandert auf dem Teufelsmauer-Stieg. Ob im Ganzen oder in Teilen, egal. Denn begeistert seid ihr so oder so. Das garantiere ich euch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

HWG auf YouTube
Unsere letzten Tweets…