Harz-Tipp des Monats: Ottofels bei Wernigerode

Der November ist vorbei, ein guter Monat zum Wandern war der Monat aber leider nicht. Einen Harz-Tipp des Monats habe ich trotzdem für euch, nachträglich quasi. Nämlich den Ottofels bzw. Ottofelsen bei Wernigerode – mein „Wander-Liebling“.

Ottofels Harzer Wandernadel 27

Ich muss mich outen: Ich bin ein Mordsfan des Ottofelsen zwischen Wernigerode Hasserode und Schierke bzw. Drei Annen Hohen. Wahrscheinlich war ich an keinen Ort bisher öfter wandern als eben zum Ottofelsen. Was sich aber auch hervorragend anbietet. Schließlich liegt quasi ums Eck die Steinerne Renne. Eine herrlich wilde Schlucht, welche die Holtemme über Jahrtausende in den Harz geschnitten hat. Beim Aufstieg wird der Weg immer uriger. Immer steiniger. Immer wilder. Bis plötzlich etwas Rotes durch die Bäume schimmert. Das Gasthaus Steinerne Renne. Dieses thront wie ein kleiner (roter) König über dem Wasserfall. Zugegeben, alles schaut ein bissel schief aus. Aber eben auch verdammt urig. Über eine kleine Holzbrücke ist das andere Ufer erreicht, die Terrasse des kleinen Gasthauses lockt zu einer Rast. Vor allem natürlich in der warmen Jahreszeit.

Im Winter rate ich euch dagegen vom Aufstieg in der Renne an. Hier plätschern und rieseln überall kleine Wässerchen. Im Sommer kein Problem, nur mitunter etwas nass. Im Winter ist hier jedoch alles vereist. Zumal die Sonne zu der Zeit kaum noch in die Schlucht kommt. Dolle urig, wild, eben „Ur-Harz“. Aber leider nicht ganz ungefährlich. Denn gerade im oberen Teil ist der Weg nur noch ein schmaler Pfad, den zudem dicke Felsbrocken pflastern.

Ottofels: Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode

Von der Renne zweigt dann recht versteckt ein Weg gen Ottofels ab. Ebenfalls ein schmaler steiniger Pfad, den ihr aber nur findet, wenn ihr ortskundig seid. Auch ich musste suchen. Jedenfalls führt der schmale Weg parallel zum breiten Forst- und eigentlichen Wanderweg zum Ottofelsen. Aber nicht, ohne zuvor noch ein kleines Highlight zu bieten. Den Gebohrten Stein. Eine senkrecht aufragende Granitklippe direkt am Weg, die oben ein „Loch“ zeigt. Tatsächlich ist das Loch mehr ein Spalt, aber Gebohrter Stein hört sich doch viel besser an als „Stein mit Spalt“ :-)

Sicht auf Brocken vom Ottofels

Gut eine halbe Stunde weiter folgt eine Kreuzung. Gegenüber führt ein recht felsiger „Weg“ – wenn man diesen denn so nennen kann – schnurstracks zum Otto. Fünf Minuten geht es über Felsbrocken und knorrige Wurzeln, dann türmt sich der Ottofels vor euch auf. Stolze 36 m hoch. Oben seid ihr auf 620 m ü. NN. Benannt ist der beeindruckende und zu den Harzklippen zählende Granit samt der für den Harz typischen Wollsack-Verwitterung übrigens nach einem Adligen. Und zwar Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode. Wobei Otto nicht nur ein simpler Fürst war. Der 1837 in Gedern (Südhessen) geborene Blaublüter studierte Jura sowie Verwaltungswissenschaften. Dann ging Otto zur (preußischen) Armee, wo er von 1859 bis 1861 als Seconde-Lieutenant im Regiment der Gardes du Corps diente. Zwei Jahre später dann die Hochzeit mit Prinzessin Anna Reuß, mit der er vier Söhne sowie drei Töchter zeugte.

Aufstieg des Otto zu Stolberg-Wernigerode

Da feilte Otto schon fleißig an seiner politischen Karriere. Diese erhob ihn zuerst zum Oberpräsident in der quasi gerade eroberten Provinz Hannover. 1867 in den Norddeutschen Reichstag, 1871 in den deutschen Reichstag. Anschließend ging Otto – damals noch Graf zu Stolberg-Wernigerode – als Botschafter nach Wien. 1878 stieg Otto zum zweiten Mann im Staate auf. Und zwar zum stellvertretenden Reichskanzler und Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, hinter einem gewissen Otto von Bismarck. Ottos Glanzstunde kam prompt 1879, als er Kaiser Wilhelm zum Zweibund mit Österreich überreden konnte. Was Wilhelm eigentlich nicht wollte. Doch das Bündnis gegen Russland kam vor allem wegen Otto zustande. Doch schon 1881 trat Otto zurück. Mit Bismarck war er wohl eher selten einer Meinung.

Preußen und Kaiser bleibt Otto trotzdem treu. 1884 wurde er Oberstkämmerer, 1885 Minister des königlichen Hauses. 1890 erhob ihn Kaiser Wilhelm schließlich zum Fürst zu Stolberg-Wernigerode. Quasi nebenbei war Otto unter anderem Kanzler des Johanniterordens sowie des Schwarzen Adlerordens. Auch in seinem eigenem Fürstentum packte Otto an. Mit einer fairen Sozialpolitik für die Arbeiter. Damals alles andere als die Norm. Mit seiner Stolberger Sozialgesetzordnung schuf Otto jedenfalls eine Krankenkasse für die Arbeiter. Außerdem eine Pensionskasse und eine Unfallversicherung. Wirtschaftlich war Otto ebenfalls ein Fuchs – und Besitzer zahlreicher Fabriken sowie gut 520 km² Land. Seine Eisenhütte in Ilsenburg errang internationales Lob.

Ottofelsen Harzer Wandernadel Stempelstelle 27

Dabei war Otto lediglich das dritte Kind seiner Eltern, Erbgraf Hermann zu Stolberg-Wernigerode sowie Gräfin Emma zu Erbach-Fürstenau. Doch sein älterer Bruder verstarb bereits mit fünf Jahren. Da das zweite Kind seiner Eltern wohl eine Tochter war, rückte Otto zum Erben der Grafschaft auf. Otto war es auch, der das Schloss Wernigerode im großen Stil umbaute. Beziehungsweise von Carl Frühling umbauen ließ. Hier im Schloss WR starb Otto dann auch. Nämlich 1896 mit 59 Jahren.

Ottofels oder Ottofelsen? 36 m Harzer Granit

Nach diesem Grafen bzw. Fürsten ist also der Ottofels benannt. Das wäre übrigens der richtige Name. Ottofelsen ist aber ebenso geläufig. Der Granit jedenfalls beeindruckt genauso wie sein Namensgeber. Seit 1964 ist der Fels daher als Naturdenkmal eingetragen. Begehbar ist der „Otto“ dagegen schon seit 1892. Eiserne Leitern führen bis hinauf auf den „Gipfel“, wobei gerade die erste recht steil ist. Kleiner Tipp: Wenn ihr wieder absteigt, geht die „Treppe“ rückwärts hinunter. Das ist sicherer und gibt euch auf den Weg nach unten mehr Halt. Sicher dürften die Leitern dagegen allemal sein. Erst 1990 wurden diese erneuert.

Von oben habt ihr eine schöne Sicht auf den Brocken. Sowie auf Wernigerode oder den Hohnekamm, dessen Nordostflanke der Ottofels markiert. Gegenüber ragt ein zweiter Fels auf, Leitern führen auf diesen aber nicht hinauf. Wollt ihr trotzdem „hoch“, geht einfach mal drumherum. Von „hinten“ ist der Zwilling recht leicht zu erobern. Doch Vorsicht: Oben angekommen fällt der Fels steil ab, seid also vorsichtig. Auf jeden Fall könnt ihr auf dem Nachbarn des Ottofelsen gemütlich Rast machen, was auf dem Otto selbst eher schwierig ist. Auch, weil es auf dem recht zugig ist :-)

Mmh, was gibt es sonst noch zum Ottofelsen zu sagen? Ach ja, wie bzw. von wo könnt ihr den Otto erreichen?! Ganz einfach: Drei Annen, Drei Annen Hohne oder Wernigerode Hasserode. Von Wernigerode bieten sich euch der HSB Bahnhof Steinerne Renne oder das Thumkuhlental als Startpunkt einer Wanderung an. Eine Rundtour ab dem Bahnhof Steinerne Renne findet ihr hier. Samt drei Stempeln der Harzer Wandernadel. Eine Stempelstelle stellt natürlich der Ottofels. Und zwar mit der Nummer 27. Also: Viel Spaß beim Stempeln und Wandern :-)

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