Brocken über Harzer Goetheweg ab Torfhaus

Okay, der Harzer Goetheweg ist ein Klassiker. Beliebt und gern genutzt. Das ist aber kein Wunder. Denn der Goetheweg stellt die leichteste Tour auf den Brocken. Und bietet Stempeljägern auch noch drei HWN-Stempel.

Harzer Goetheweg Torfhaus Brocken 2016

Alte „Hasen“ kennen die Tour natürlich. Doch treffe ich immer wieder Leute, die den Goetheweg erstmals wandern. Von daher kurz und knapp die Tour in der Übersicht: Torfhaus, Abbegraben, Großes Torfhausmoor, Quitschenberg, Eckersprung, Königsberg, Brockenbahn, Brockenstraße, Brocken. Das war’s schon. Runde acht Kilometer mit (rechnerisch) nicht mal 350 Höhenmeter. Denn das Torfhaus liegt bereits auf rund 800 m ü. NN. Tatsächlich sind es aber doch um die 420 Höhenmeter. Zumindest laut dem Tourplaner von kompass.de. Denn ab und an geht es (unmerklich) doch mal wieder ein zwei Meter „runter“. Und später diese ein zwei Meter wieder hinauf. Doch bis auf dem Anstieg zum Königsberg ist von einem „harten“ Aufstieg kaum etwas zu bemerken.

Das mag als Einstieg reichen. Wie gesagt: Die Tage zog es mich mal wieder auf den Brocken. Mitte September bei über 20 (!) Grad. Plus, nicht minus. Der große Parkplatz am Torfhaus war zum Freitag gegen 14.00 Uhr herrlich leer. Zum Wochenende lohnt jedoch eine frühe Anreise. Da kann’s auf dem Torfhaus voll werden. Gerade im Winter. Ich jedenfalls fand genug Platz und schon ging’s los. Rucksack auf, Knipser geschnappt, Wanderstock ausgefahren war ich schon auf Tour. Entlang den ganzen Gasthäusern und dem neuen Torfhaus Harz Resort winkt linker Hand bereits der Brocken. Also bei guter Sicht. Die ist auf dem Brocken leider nie garantiert. Ich hatte jedoch Glück.

Goetheweg: Abbegraben & Quitschenberg

Schon zeigt sich der erste Wegweiser. Goetheweg – Brocken. Wanderweg 10F. Roter Kreis in einem weißen Dreieck. Die Kennzeichnung sollten sich „Newbies“ merken, ist so doch der ganze Goetheweg markiert. Verlaufen ist daher eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Eigentlich. Im Sommer gab es gerade erst einen „Fall“. Eine Touristin verlief sich mit ihrem kleinen Sohn. Aber richtig böse. Vom Torfhaus los landete die Dame samt Sohn beim Scharfenstein. Ganz falsch.

Wir laufen dagegen richtig. Kurz geht es direkt an der B4 entlang, schon biegt der Weg wenige Meter später links in eine Straße ein. Gut hundert Meter geht es an ein paar Häusern vorbei, bis der Weg erneut abbiegt. Nun aber nach rechts in den Wald. Vorbei mit Asphalt. Jetzt geht es richtig los. Knorrige Wurzeln und erste Steine lassen böses ahnen. Aber so schlimm wird es dann doch nicht. Schon werden wir vom Abbegraben begrüßt, der 1827 zur Wasserversorgung des Harzer Bergbaus angelegt wurde.

Goetheweg Abbegraben Torfhaus Brocken

Zu Zeiten Goethes gab es den Graben noch nicht. Der Poet bestieg den Brocken erstmals 1777. Im Dezember. Mitten im Winter. Ohne die heute bequemen Wege. Eine Topleistung. Am Abbegraben biegt irgendwann links ein Bohlensteg über eine Ecke des Großen Torfhausmoores ab. Später mündet jener Bohlenweg wieder in den Abbegraben. Also kein Umweg, bei meiner Tour wurde jedoch gerade am Steg gearbeitet. Gesperrt, schade. An ein paar Schleusen vorbei und teilweise über Bohlen und Gestein biegt der Abbegraben schließlich rechts ab. Der Goetheweg führt dagegen weiter gerade aus auf eine Wegkreuzung (Kaiserweg Bad Harzburg). Weiter geht es rechts, kurz darauf gleich wieder links. Erstmals geht es merklich bergan. Doch nicht lang, denn schon ist der Quitschenberg erreicht. Der ist nach den Quitschen benannt, besser bekannt als Vogelbeere.

Stempelstelle 136: Rastplatz am Eckersprung

Ein paar Infotafeln informieren über den Berg und vor allem, warum der Mensch nicht aktiv in den Wald eingreift. Trotz Sturm und Borkenkäfer. Weil die Natur das nämlich von selbst regelt. Daher ist der Wald im Nationalpark Harz sich selbst überlassen. Am Quitschenberg zeigt sich auch wieder der Brocken. Kurz darauf entschwindet der Blocksberg, weiter geht es durch dichten Wald. Doch nicht viel später taucht eine Schutzhütte auf, der Rastplatz Eckersprung. Stempelstelle 136 der Harzer Wandernadel.

Goetheweg Königsberg

Stempeljäger der HWN ergattern hier den ersten Stempel auf dem Goetheweg. Zu finden ist der direkt in der Hütte. Eine Rast würde ich hier aber nicht empfehlen, da lohnt der Königsberg mehr. Weiter also. Doch halt. Hier am Eckersprung queren wir die frühere deutsch-deutsche Grenze. Von der sieht man heute Gott sei Dank nichts mehr. Doch keine fünf Minuten nach dem Eckersprung beschleicht es einen. Betonplatten. Es macht Klick. Der alte Kolonnenweg der DDR-Grenzer. Die führen uns direkt hinauf zum Königsberg. Auf den nächsten Metern geht es nun gescheit nach oben. Rund 50 Höhenmeter sind auf 300 Meter Strecke zu überwinden. Das macht knapp 17 Prozent Steigung. Bis zur Brockenbahn. Jetzt oder vielmehr nach dem Aufstieg lohnt eine Rast. Zum einen ist das Schlimmste überstanden. Zweitens bietet sich uns hier oben eine tolle Aussicht. Außerdem gibt es einen Rastplatz kurz vor den Gleisen (Augen links) und Sitzmöglichkeiten ganz oben.

Oben ist das Stichwort. Ab hier folgt der Goetheweg nun der Brockenbahn. Am Königsberg ist für diese zudem ein Stoßgleis verlegt, auf welchen ins Tal fahrende Loks kurz „parken“. Und so hinauf fahrende Loks passieren lassen. Tolle Bilder sind hier also garantiert. Ebenso auf den weiteren Goetheweg, der die nächsten Meter eine tolle Aussicht auf den Harz gewährt.

Goetheweg: Zurück über die Stempelstelle 186

Das Torfhaus ist deutlich an seinen Sendemasten erkennbar. Für kundige Augen sind auch Achtermannshöhe und Ravensberg zu sehen. Nach einem Rechtsknick taucht auch endlich wieder Brocken auf. Tatsächlich wirkt der höchste Berg im deutschen Norden schon recht nah. Ein gutes Stück ist es aber noch bis zum Blocksberg. Irgendwann verschwindet der Brocken dann auch wieder, bis der Goetheweg am Bahnübergang in die Brockenstraße mündet. Noch 1,0 km. Fast oben. Auch die 1.000-Meter-Marke ist längst passiert.

Goetheweg Brocken

Der Weg jedenfalls folgt nun der Brockenstraße. Die Knochenbrecherkurve ist bereits in Sicht. Schon ist der scharfe Rechtsknick passiert, nun geht es nur noch bergan. Dann ein Schild: 1.100 Meter über Null. Kurz darauf wieder ein Linksknick, in welcher endlich der rot-weiße Sendemast des Brockens auftaucht. Immer mehr Gebäude werden sichtbar. Ein Schild heißt uns müde Wanderer willkommen und erinnert an die friedliche Revolution in der DDR. 1989 wurde genau an dieser Stelle der Zugang zum Brocken erzwungen, nachdem dieser über Jahrzehnte für Otto Normal gesperrt war.

Oben ist ganz klar erst einmal rasten angesagt. Zumal der Brocken bei gutem Wetter eine schöne Aussicht garantiert und zum bleiben einlädt. Highlights gibt es aber noch ein paar andere. Etwa das Brockenhotel mit seiner Aussichtsplattform. Oder das Brockenhaus (Stasi-Moschee) mit dem Museum und der alten Abhörtechnik. Auch der Brockenrundweg oder der Brockengarten lohnen. Bahnfans tummeln sich am Brockenbahnhof und beobachten das Rangieren der HSB. Apropos Brockenhaus: Hier finden Stempeljäger den zweiten Stempel. Nämlich die Nummer 9. Der Stempel ist nicht zu verfehlen, der Kasten ist direkt neben dem Eingang montiert.

Über Hopfensäcke zurück auf Goetheweg

Irgendwann geht es wieder hinab. Der Weg vorerst ist wie der Hinweg. Bis zum Bahnübergang folgen wir der Brockenstraße. Wieder mit schönen Aussichten. An den Gleisen geht es rechts in den Goetheweg hinein bis zum Königsberg. Diesen hinunter biegt der Goetheweg nun rechts ab. Doch wir wollen einen dritten Stempel. Daher gehen wir geradeaus und folgen einfach dem alten Grenzweg. Keine Viertelstunde später taucht eine Kreuzung samt Rastplatz und Hütte auf. Die Stempelstelle 168 Dreieckiger Pfahl. Fix schmückt auch dieser Stempel unseren Wanderpass, Bänke und Tisch laden zu einer Rast.

Stempelstelle Dreieckiger Pfahl Harzer Wandernadel 168

Der Pfahl steht übrigens ein paar Meter weiter in Richtung Oderbrück und Torfhaus. Seit Jahrhunderten markiert der Pfahl eine Grenze. Ursprünglich sogar ein Dreiländereck. Königreich Hannover, Herzogtum Braunschweig, Amt Elbingerode. Später wieder die Grenze der BRD und der DDR. Heute Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Sowie der Landkreise Harz und Goslar. Der Umweg nimmt sich nicht viel. Der Abstecher ist so lang wie der Goetheweg. Allerdings ist ein kurzes Stück des Wegs etwas „uriger“. Es geht also über Stock und Stein. Aber nur kurz. Dafür ist der Weg gut ausgeschildert.

Vom Dreieckigen Pfahl geht es weiter nach Oderbrück und Torfhaus. Irgendwann zweigt der Hauptweg nach links ab. Geradeaus führt ein schmaler Trampelpfad. Diesen geht es nun entlang. Vorbei an den Hopfensäcke Klippen erreichen wir eine Hütte. Kurz darauf mündet unser Pfad wieder in den Goetheweg. Schon stehen wir an der Kreuzung Kaiserweg. Geradeaus führt der Weg nach Bad Harzburg. Links zum Torfhaus. Bald taucht der Abbegraben auf. Dem entlang treffen wir eine halbe Stunde später auf die alte Siedlung Altes Torfhaus. An der Straße geht es wieder nach links bis vor zur B4. Hier wieder rechts, fünf Minuten später ist das Torfhaus Harz Resort erreicht. Zum Parkplatz sind es noch fünf Minuten. Der Brocken winkt die letzten Meter rechter Hand Abschied.

Goetheweg Torfhaus Brocken

Goetheweg: Stempelstellen, Zahlen, Fazit

Das war er schon, der Goetheweg ab Torfhaus. Die Zahlen zur Tour sind schnell genannt:

  • Strecke einfach: 8 km
  • Strecke gesamt: 16 km
  • Höhenmeter: 430 rauf, 100 runter (ohne Rückweg)
  • Dauer einfach: 2 bis 3 Stunden
  • Dauer gesamt: 4 bis 6 Stunden
  • Schwierigkeit: leicht

Ebenso flott genannt sind die Stempelstellen der Harzer Wandernadel:

Im Fazit ist der Goetheweg vor allem etwas für ungeübte Wanderer, die das erste Mal auf den Brocken wandern. Doch auch gestandene Wanderer kommen auf ihre Kosten. Insbesondere am oberen Bahnparallelweg. Dazu gibt es eine tolle Aussicht. Zumal der Goetheweg bei weitem nicht so überlaufen ist wie das Eckerloch. Zumindest „mein“ Nachmittag war recht ruhig. Vor allem beim Abstieg. Wobei der Weg über das Eckerloch ab Schierke kürzer ist. Dafür aber wieder deutlich steiler und alpiner. Goethes Weg ist also allemal eine Tour wert. Auch im Winter ist die Strecke toll. Familien sollten dann einen Schlitten mitnehmen. Dann geht der Rückweg flott und macht auch noch eine echte Gaudi.

Harzer Goetheweg

Der große Parkplatz am Torfhaus ist ebenfalls moderat. Der Tageshöchstsatz beträgt vier Euro. Das ist okay. Im Winter ist jedoch eine möglichst frühe Anreise ratsam. Ich stand mal an einem Samstag gegen elf Uhr morgens auf dem Parkplatz. Voll bis zum letzten Platz. Auto an Auto. Das „Herauskämpfen“ dauerte eine halbe Stunde. Und kostete einen Euro für’s „parken“. In der Woche (und ohne Schnee) ist die Suche nach einem Parkplatz aber kein Problem.

Das war’s nun aber. Ich hoffe, die Tour hat Spaß gemacht oder macht demnächst Spaß. Ich freue mich auf Kommentare.

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